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Die 13. Leiche
eine Farce

[ Stück ] [ Uraufführung ] [ Kritik ]

In einem Kleintheater spielen engagierte Laien das Theaterstück "Arsen und Spitzenhäubchen von Joseph Kesselring. Während sich ihre Vereinskollegen auf der Bühne alle Mühe geben, richten sich die Garderobefrauen auf einen gemütlichen Abend im Foyer ein. Da stürzt der Direktor ihres Vereins aus dem Saal und flüchtet in die Toilette. Danach bleibt es merkwürdig still. Als die Damen sich schliesslich um den Mann kümmern, ist es bereits zu spät. Der Direktor stirbt in ihren Armen, und sie sind schuld daran. Und weil ein Unglück selten allein kommt, finden sie in der Toilette auch noch ein Bündel Banknoten, die da nicht hingehören. Nun provoziert eine Kurzschlussreaktion die nächste, die Frauen verstricken sich immer tiefer in eine scheinbar ausweglose Situation. Die Frau des Direktors fragt nach ihrem Mann, sein Sohn taucht auf und zwei eindeutig zweideutige Herren erkundigen sich nach dem Geld.
Wie es trotzdem zu einem guten Ende kommt, sei hier nicht verraten.

Das Stück kann beim Autor als Datei bestellt werden.


Bühne und Personen

Personen:


Bettina
Chefin der Garderobe und Kassenwart. Grosse, kräftige Frau mit wachem Blick, begreift schnell und handelt noch schneller, legt grossen Wert auf Ordnung und Sauberkeit, zwischen 40zig und 50zig .
Was Bettina mag:
1. Geräte programmieren, zum Beispiel einen Fernseher, oder, absolutes Supervergnügen, ein neues Handy.
2. Manchmal: Streichhölzer abbrennen, ohne sich die Finger zu verbrennen und zuschauen, wie die Hölzchen sich winden und krümmen, wenn sie von der Flamme verzehrt werden.
Was Bettina nicht mag:
1. Mit Leuten im Kreis sitzen und spielen.
2. Zuschauen, wie ihre Kollegin Melinda einen schweren Mantel an einen Haken hängt, oder, noch schlimmer, wie sie einen nassen Schirm verstaut.

Melinda
Aushilfe, manchmal auch Kleindarstellerin im Ensemble. Weiche, etwas schwammige, aber immer noch reizvolle Erscheinung, lässt ihre Blicke schweifen und versteht es, ihre Rundungen durch gekonnte Drehungen in Szene zu setzen.
Was Melinda mag:
1. Über Leute reden, die nicht anwesend sind.
2. Sitzen und die Beine baumeln lassen.
3. Rosa Angorawolle streicheln.
Was Melinda nicht mag:
1. Wenn ihr jemand beim Essen zuschaut oder Bemerkungen zu ihrer Figur macht.
2. Zufällig Zeuge werden, wie Tiere kopulieren, besonders abstossend findet sie den Vorgang bei Insekten.
3. Zuhören müssen, wie sich ihre Chefin Bettina die Nase schnäuzt und anschliessend ihr Taschentuch kontrolliert.

Carola
Zuständig für den Kaffeeausschank und Garderobenaushilfe. Gepflegte, nicht sehr grosse, gut proportionierte Frau um die Fünfzig. Ihre Bewegungen sind ruhig, fliessend und besitzen die Eleganz einer wohltuenden Selbstverständlichkeit.
Was Carola mag:
1. Ihre Kunden vor dem Kaffee warnen, Vorsicht heiss! Und dann zuschauen, wie sie den Mund spitzen.
2. Wenn im Theatersaal gelacht wird.
Was Carola nicht mag:
1. Mit den Fingern essen, auch nicht zusehen müssen, wie dies andere tun. Ganz scheusslich findet sie, wenn Melinda mit dem Finger Kuchenbrösel auftupft und sich anschliessend den Finger ableckt.
2. Wenn im Theater geschwatzt wird.

Marcel Meister
Besitzer eines Sportgeschäfts und Direktor des Theatervereins
Eveline Meister
Meisters zweite Frau
Ralf Meister
Meisters Sohn aus 1. Ehe
1. Theaterbesucher Herbert
2. Theaterbesucher Leo
Ein Notarzt
Zwei Sanitäter

Bühnenbild:

Foyer und Garderobe eines kleineren Theaters. Links neben der Garderobe die beiden Türen zu den Toiletten. Auf einem Teil der Garderobentheke ist eine kleine Kaffeebar eingerichtet, vorne rechts stehen ein paar Bistrotische. Nach links gelangt man auf die Strasse vor dem Theater, nach rechts in den Theatersaal. Gut sichtbar hängt ein Plakat des Theaterstücks, das heute Abend Premiere hat: Arsen und Spitzenhäubchen.

Textprobe:

Carola verarztet ihre Füsse, Melinda baut immer noch ihr Picknick auf. Aus dem Theatersaal hört man ab und zu ein paar Dialogfetzen aus der ersten Szene von „Arsen und Spitzenhäubchen“. Einzelne Lacher.

Carola 
Erwartest du Gäste?

Melinda
Nein, für uns. Irgendwann müssen wir ja auch etwas essen.
Eigentlich habe ich ja heute meinen Fastentag, aber an einer Premiere. - Ich an seiner Stelle wäre ja nicht gekommen. Ich meine, natürlich, ich finde es schon gut: er steht drüber. Dass sie ihn rausgeschmissen haben und so ...

Bettina 
Niemand hat ihn rausgeschmissen. Er musste sich entscheiden. Entweder er hat Zeit und kann probieren, oder er muss sich um seine Firma kümmern.

Melinda
Sag ich ja. Aber man hätte ja auch ein bisschen Rücksicht nehmen können. - Weil er zwei Mal gefehlt hat! Und schon haben ihm Ann und Dorin ein Ultimativ gestellt. Immer wollen sie alles bestimmen können.

Carola
Ultimatum.

Bettina
Mein Gott, du nimmst das alles viel zu ernst.

Melinda
Sie hocken zusammen und wählen das Stück aus und dann spielen sie die Hauptrollen. Ann die Abby und Dorin die Martha. Ihre Abschiedsrolle. Das hat sie schon vor einem Jahr gesagt. Wo sie die „alte Dame“ gespielt hat. Und Dorin die Frau von diesem Till, den sie dann umbringen.

Carola 
Ill. Alfred Ill.

Melinda
Hab ich doch gesagt. Till. Aber das war das bessere Stück, da gab es auch noch andere Rollen. Frauenrollen, wo wir doch mehrheitlich Frauen sind. Dieses Jahr können nur Ann und Dorin spielen und diese neue. Noch keine Zwanzig. - Lange bleibt die aber nicht, das weiss ich. Sie will auf eine Schauspielschule, unbedingt. - Jetzt ist sie schon drei Mal durchgefallen ...

Bettina
Frauen im Theater

Melinda
Bäh! - Pit hat mir gesagt, wenn ich noch ein paar Jahre jünger gewesen wäre ...

Bettina
Das sagt er jeder, bevor er ihr an die Wäsche will.

Melinda
Man kann auch mit Fünfzig noch Sexappeal haben. - Aus dürrem Gras steigen keine Schmetterlinge.

Bettina
Oh. Was sind denn das für Weisheiten?

Melinda
Das sind keine Weisheiten, das ist Erfahrung, Lebenserfahrung. Aber die macht man nicht, wenn man sich nur mit einem Kampfhund auf die Strasse getraut.

Bettina
Bobby ist kein Kampfhund.

Melinda
Aber gebissen hat er, und Bühnenverbot.

Carola
Bitte! Nicht schon wieder.

Melinda
Ich hab nicht angefangen. - Ich esse jetzt meinen Salat.


© 2007 Die Aufführungsrechte liegen beim Autor.

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